Schule und LernenSonstiges

Frauentausch – Die „beste Sendung“ im Fernsehen für Lehrer und Pädagogen

Die Sendung Frauentausch auf RTL2 ist sicherlich fast jedem ein Begriff: Für 10 Tage tauschen zwei Frauen ihr Leben samt Familie und Umfeld, wobei alle Höhen und Tiefen dieser Erfahrung von der Kamera dokumentiert werden.

Davon abgesehen, dass die Sendung mitunter recht kurzweilig und unterhaltsam ist, möchte ich hier einmal eine Lanze für sie brechen, da sie meiner Meinung nach Einblicke einerseits in die menschliche Psyche und anderseits in die Mechanismen und Prinzipien der aktuellen Fernsehuntehaltung bietet wie kaum ein anderes Format. Klar, auch Reaktionen auf Extremsituationen etwa in einem Jungle-Camp können aufschlussreich und unterhaltsam sein, doch gerade im Familienbereich werden fundamentale Einstellungen, Sichtweisen und Reaktionsmuster und die individuellen diesbezüglichen Unterschiede extrem deutlich. Gerade Pädagogen und Lehrer, die ja mit Menschen aus allen Schichten und Gruppierungen konfrontiert sind und mit diesen arbeiten müssen, können hier wertvolle Einsichten in die Ursachen für tiefverwurzelte Verhaltensmuster ihres Klientels gewinnen.

Schule und Lernen in verschiedenen Elternhäusern

So stellt man schon nach dem Studium nur weniger Folgen fest, dass gerade hinsichtlich Erziehung und der Einstellung des Elternhauses gegenüber Schule und Lernen gewaltige Unterschiede zu verzeichnen sind. Klar, dass ein „besseres Elternhaus“ mehr Wert auf Bildung legt, hätte man sicherlich auch so vermutet, doch bekommt man anderseits auch Eltern von „ganz unten“ zu Gesicht, für die Schule sehr wichtig zu sein scheint. Allerdings finden sich fast immer gravierende Unterschiede in der Herangehensweise an die Förderung des eigenen Nachwuchses: Während durchaus auch einfach gestrickte Mitmenschen ihre Kinder regelmäßig zum Lernen zwingen und manchmal – scheinbar meist die Mütter und nur selten die von der Maloche oder der Play Station gestressten Väter – auch mit ihnen gemeinsam pauken (so möchte ich mal dieses sturre Abfragen bezeichnen im Sinne von „Wenn du zwölf mal sechs Dinger hast, na, wieviel hast du dann?“) , gehen Intelektuelle häufig ganz anders an diese Aufgabe heran: Sie basteln mit ihren Kindern oder gehen mit ihnen durch den Wald spazieren und erklären ihnen beiläufig Dinge, die die Kinder gerade dabei wissen wollen oder interessant finden. Dieses „natürliche“ Lernen befriedigt die angeborene Lernbereitschaft und Neugier von Kindern, die das Wissen wie ein Schwamm begierig aufsaugen. Außerdem finden gerade durch derartige Tätigkeiten Kinder zu einer Ausgeglichenheit, die überhaupt Lernen erst ermöglicht.

frauentausch
Werden diese Woche in Frauentausch wieder Tränen fließen?

So sieht man regelmäßig intelektuelle Mütter, die in der Gastfamilie der Plattenbausiedlung in Wanne-Eickel geradezu missionarisch mit den normalerweise vor der Glotze hängenden Kleinkindern mit Fingerfarben malen, um dem einheimischen Familienvater zu demonstrieren, was bei seiner Familie im Argen liegt. Dabei ist leider all zu oft eine gewisse Arroganz und ein von oben herab Behandeln seitens der sich intellektuell überlegen fühlenden Tauschmutter zu beobachten.

Die Rollenverteilung bzgl. intelektuell über- und unterlegen stellt sich fast immer direkt auf Anhieb ein. Ein Punkt, in dem die Auffassungen oft extrem auseinander gehen, ist übrigens immer wieder die Hygiene. Da ekelt sich die eine über die Flecken in dem ihr zugewiesenen Bett, da verkündet die andere, wie wichtig ihr Sauberkeit sei, während der Siff von ihren Küchenschränken herabzutropfen beginnt. Es scheint allerdings keine direkte Relation zwischen Sauberkeitsanspruch und Intellekt zu geben: so sieht man gleichermaßen die siffige Bollerschlampe wie die scheinbar nur in esoterischen Welten jenseits des normalen Alltags schwelgende Reiki-Lehrerin.

Leider bekommt man auch etliche Eltern zu Gesicht, die offensichtlich Null Bock auf ihre Kinder haben und nur von „Party machen“ oder „mal Ruhe haben müssen“ reden (nachdem sie sich den ganzen Nachmittag vor ihrer Play Station mental auf die für vermutlich den folgenden Tag anstehende Arbeitssuche vorbereitet haben 😉 ). Natürlich gibt es aber auch in ärmlichen Verhältnissen lebende Eltern, denen ihre Kinder tatächlich am Herzen liegen. Leider ist hier oftmals eine totale Hilflosigkeit das Problem. Man scheint zu denken, dass durch gezwungenes Lernen die schulischen Leistungen der Kinder zu verbessern seien und wundert sich, dass die gestresst wirkenden Kinder daran weder Interesse zu haben scheinen noch mit spürbaren Lernzuwachs gesegnet sind.

Arroganz und Unfähigkeit

Bei den intellektuell Überlegenen, besonders bei den nennen wir sie mal Halbintellektuellen, ist wie gesagt häufig eine Form von Arroganz zu beobachten. Was fehlt ist was im Buddhismus als Mitgefühl bezeichnet wird: Statt sich über die offensichtlichen Probleme und Mängel anderer zu erheben, ist man doch gerade als Intellektueller verpflichtet, hinter die Dinge zu sehen und die Mechanismen wie Unsicherheit, Hilflosigkeit, schwere eigene Kindheit usw. zu erkennen, die dazu führen, dass manche Menschen nur so leben können, wie sie halt leben.

Erkenntnisse für Lehrer und Pädadgogen

Für mich als Lehrer helfen derartige Szenen zu verstehen, warum viele Kinder an unseren Schulen sich derart schwer tun. Letztlich scheint ein großer Teil der Kinder „energetisch gestört“ zu sein (um hier mal den aus der traditionellen chinesischen Medizin stammenden Ansatz zu zitieren, bei dem sämtliche Störungen der Gesundheit bzw. des mentalen Optimalzustandes als Störungen im Fluss der Energie interpretiert werden). Ursachen sind die bedrückenden und naturfernen Lebensumstände im zu Hause der Kinder bzw. das Vorbild der ebenfalls energetisch gestörten Eltern. Eine Atmosphäre, die von gegenseitiger Achtung und Gleichberechtigung (jawohl, ich meine durchaus zwischen Eltern und Kindern als gleichberechtigte Familienmitglieder zumindest hinsichtlich gewisser Dinge) scheint unter deutschen Dächern selten zu sein, ebenso scheint eine gesunde Ernährung, bei der tatsächlich mal etwas der Natur Entstammendes gegessen wird, vielerorts unüblich zu sein (wobei manche doch tatsächlich meinen, dass das, was aus einigen Konserven und Gewürzmischungen zusammengebraut wird, gesund sei, da es zumindest nicht das an anderen Tagen verschlungene Fertig-Fast-Food ist).

All das Gerede über die schlechten Ergebnisse irgendwelcher Pisa-Studien geht meist an den eigentlich Ursachen vorbei, die nämlich meiner Erfahrung nach nur bedingt in der Schule zu suchen sind, sondern stattdessen vielmehr in der gerade beschriebenen heimischen Lebenswirklichkeit der Kinder.

Was kann man also tun? Als Eltern gibt es nichts Wichtigeres und Entscheidenderes, als Zeit für die Kinder zu haben und ihnen entspannte Aufmerksamkeit zu widmen. Übrigens werden dadurch selbst die „schlimmsten“ Kinder am ehesten ruhig und ausgeglichen, so dass auch die Eltern überhaupt zu dieser entspannten Geisteshaltung gelangen können. Bei derartig aufwachsenden Kindern klappt das mit der Schule dann vermutlich ganz von allein, wenn letztlich doch nicht, gehen die Kinder vielleicht aufgrund der Vorstellung, man könne fehlendes Potential durch entsprechenden Fleiß stets kompensieren, einfach auf die falsche Schulform, auf der sie überfordert sind. Schließlich kann nicht jeder Abitur machen, manchen liegen halt andere Dinge mehr.

Auch als Lehrer ist es wichtig, durch die eigene Ausgeglichenheit ausgleichend auf diese Kinder zu wirken und an ihnen das vorzuleben, was es im Elternhaus nicht zu geben scheint.

Unser Fernsehen

Nun aber wieder zurück zu Frauentausch, schließlich hatte ich oben noch von möglichen Einsichten in die Wirkungsweise moderner Fernsehunterhaltung gesprochen. Zunächst entscheidet ja RTL2 darüber, welche zwei Mütter tauschen, welche zwei Welten also aufeinander prallen sollen. Dadurch wird versucht, gängigen Klischees zu entsprechen bzw. diese zu schüren. Da man außerdem ja nicht die ganzen 10 Tage gezeigt bekommt, sondern nur kurze Ausschnitte, wählt RTL2 natürlich bewusst aus, welche Reaktionen die Nation zu Gesicht bekommt und welche nicht. Allein hierdurch kann künstlich entweder ein solcher oder vielleicht gar ein gegenteiliger Eindruck erzeugt werden.

Man frage sich auch, welche Auswirkung das Zurschaustellen auf die vielleicht bisher innerhalb ihres beschränkten Horizonts einigermaßen zufrieden vor sich hinlebenden Tauschmutter oder ihre Familienangehörigen haben mag, nachdem öffentlich demonstriert wurde, wie naiv, ungebildet, siffig, eklig, faul, unmenschlich oder abartig sie in den Augen anderer sind. Aber natürlich ist gerade diese Form von Voyeurismus das Geheimnis all dieser Serien: Der Zuschauer möchte keine Harmonie und keine Lösung von Konflikten sehen, sondern am liebsten das unbarmherzige Aufeinanderprallen, am besten mit der psychischen Vernichtung des Schwächeren, was hier von RTL2 mitunter elegant zelebriert wird.

Ein Gedanke zu „Frauentausch – Die „beste Sendung“ im Fernsehen für Lehrer und Pädagogen

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    televisione per insegnanti ed educatori | Ingo Raven
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