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Free your Mind – Von Plato bis zu The Matrix – Was ist Realität? Leben wir in einem Computerspiel? Was sagt die Physik?

The Matrix – einer der erfolgreichsten Science Fiction-Filme der letzten Jahre…
Anders als sonstige Filme dieses Genre spielt diese Film-Trilogie nicht auf anderen Planeten und nicht nur in der Zukunft; eine Handlungsebene ist stattdessen „unsere normale“ Realität, nur dass diese dem Film nach nicht real ist, sondern eine Computersimulation. So sind alle Menschen unserer Welt in Wirklichkeit von Maschinen als Energiequelle angezapfte Dauerschläfer, deren Gehirn „bei Laune gehalten wird“, indem ihm vorgegaukelt wird, dass der Mensch als Individuum in einer mit allen Details und möglichen Sinneswahrnehmungen ausgestatteten Welt lebt – der Matrix -, und diese Welt ist halt unsere als real empfundene Lebenswirklichkeit.

Ist unsere Realität eine COmputersimulation wie in im Film The Matrix?
Ist unsere Realität eine Computersimulation wie im Film The Matrix?

Diese Idee – so absurd sie zunächst klingen mag – hat eine entscheidende, faszinierende Eigenschaft: Trotz allem Wissen über diese unsere Welt ist es uns prinzipiell nicht möglich, eine solche Möglichkeit grundsätzlich auszuschließen. Das muss nicht heißen, dass ich oder sonst jemand daran glaubt, aber anderseits müssen wir uns klar machen, dass es zumindest möglich wäre, dass unsere Interpretation der Welt letztlich eben nur dies ist – eine Interpretation – und somit daneben liegen kann.

Platos Höhlengleichnis

Dies versuchte schon Plato vor fast zweieinhalb Jahrtausenden uns begreiflich zu machen. Sein Höhlengleichnis besagt letztlich das gleiche wie die Matrix: In diesem Gleichnis wachsen Menschen auf Stühlen angebunden in einer Höhle auf und alles was sie sehen ist eine Wand, auf der sich Schatten von Dingen oder Handlungen abbilden, die im Rücken dieser Menschen geschehen, von diesen also nicht selbst gesehen werden können. Da sie die Welt nur so kennen, kommen sie zwangsläufig zur Erkenntnis, dass diese Wand „die Welt“ sei, dass in dieser Welt „Schatten“ existieren und sich bewegen, miteinander sprechen (durch die Wand wird der Schall reflektiert, es scheint also so, als ob die Stimmen von den Schatten kommen), und dass es nichts anderes gäbe. Würde man ihnen die Wahrheit mitteilen, so könnten sie diese letztlich kaum glauben, da sie über ihre Erfahrungsebene hinaus geht und somit die Grenzen ihres bisherigen Denkens überschreiten würde.

Virtuelle Realitäten

Und deshalb könnte diese Welt ein Computerspiel sein? Ja, genau. Oder etwas anderes, was unsere Vorstellung überschreitet. Das mit dem Computerspiel erscheint übrigens weniger abwegig, wenn man einmal Computerspiele der ersten Generation (sagen wir mal der Packman-Ära) mit modernen dreidimensionalen Simulationen vergleicht. Und nun überlege man, wie solche Simulationen wohl in 10, 20 oder gar 100 oder 1000 Jahren aussehen werden, vielleicht mit rundum 3D-Helm und Bewegungsmeldern a la WII-Konsole bzw. direktem Anschluss ans Zentralnervensystem. Jemand, der in eine solche Welt hinengeboren würde und nichts anderes kennt, hätte keine Chance, diese nicht als Realität anzusehen.
Noch einige weitere Denkanstöße:
1) Im Pokemon-Spiel meines Sohn ist die Pokemon-Welt, durch die der Spieler läuft, eine Insel. Warum? Nun, diese hat rundum eine natürliche Grenze (das Meer), so dass man keine endlos weite Welt simulieren muss, was nicht mit endlichem Programmieraufwand zu machen wäre. Was ist die Entsprechung einer Insel im Dreidimensionalen? Richtig, eine Kugel, ein Planet…
2) Alle Computersimulationen haben eine systembedingte Gemeinsamkeit: Durch den Systemtakt der CPU gibt es keine wirklich kontinuierlichen Bewegungen, sondern letztlich nur diskrete, also gerasterte, Abläufe. Die Feinheit dieser Rasterung ist zwar schon bei unseren Computern weit jenseits der Wahrnehmungsgrenze, aber prinzipiell stets vorhanden. Und unsere Welt? Gibt es da nicht schließlich kontinuierliche Abläufe, was also ein Gegenbeweis wäre? Nein, aufgrund einer Äquivalenz von Energie und Zeit folgt aus dem Planck’schen Wirkungsquantum für die Energie, dass auch die Zeit in unserer Welt gequantelt ist, genau wie in einem Computersystem.

Höhere Dimensionen und Paralleluniversen

Verlassen wir nun jedoch die Computersimulationen. Auch in jahrtausenden alten Lehren – etwa im Buddhismus – kam man durch tiefe Meditation zur Erkenntnis, dass die Welt eine Illusion ist (hier vor allem die Trennung in unabhängige Einzelteile, von denen auch jedes Individuum eins ist, stattdessen wäre alles mit allem verbunden, eine einzige Einheit).

Auch unsere moderne Wissenschaft ist in den letzten Jahrzehnten immer mehr zur Erkenntnis gelangt, dass sie von einem wirklichen Verständnis der Natur der Dinge wesentlich weiter entfernt ist, als man es noch zuvor angenommen hatte. Und hierbei geht es längst nicht nur um so scheinbar banale Dinge wie was Bewusstsein ist oder wie und warum es unsere Realität bis hin zu unserer Gesundheit steuert.

So gehen Physiker größtenteils davon aus, dass unser Universum 10- oder 11-dimensional sei, da laut der String-Theorie nur bei dieser Anzahl von Dimensionen die Schwingungen von „Strings“, aus denen alle Materie entstehen soll, die mathematisch richtigen Frequenzen haben kann. Aus diesen Frequenzen leitet sich wiederum das Energieniveau des Strings ab und damit die Art des von ihm dargestellten Elementarteilchens. Von diesen Dimensionen sind jedoch nur die uns bekannten drei Raumdimensionen entfaltet, die anderen sind unsichtbar, da sie auf winzigstem Raum eingerollt sind, möglicherweise beim Urknall nicht expandiert sind wie die drei anderen. Oder unsere Welt ist eine 3-Brane, ein dreidimensionaler Unterraum einer höherdimensionalen Welt, auf der Aktion und Interaktion bestimmter Teilchen und Kräfte „festsitzen“.

Andere Theorien gehen davon aus, dass es unendlich viele Paralleluniversen gibt: Zum einen könnten diese sämtliche möglichen Ergebnisse der Wellenfunktion eines Teilchen realisieren (vgl. meinen Artikel Leben im Multiversum – weshalb wir der modernen Physik nach unsterblich sein müssen). Die Blasentheorie (oder Inflationsmodell) dagegen hält es für möglich, dass unendlich viele Universen räumlich getrennt (und zwar durch expandierendes „falsches Vakuum“) nebeneinandner existieren, und dies in einem sich rasant ausdehnenden Universum, in dem jedes eingebettete Universum wie eine Blase existiert. Da es aufgrund der Unschärferelation aber zum Zeitpunkt des Urknalls (bzw. des Beginns dieser Welt) nicht wirklich unendlich viele unterscheidbare Ausgangszustände geben konnte, ließe sich folgern, dass bei einer unendlich hohen Anzahl an Universen ich in einigen davon ebenfalls existieren müsste (übrigens nicht nur in einigen, diese „einige“ wären sogar wiederum unendlich viele, was wiederum bedeutet, dass jede Möglichkeit meiner Entscheidungen irgendwo in einem passenden Universum realisiert wäre).

Dann gibt es noch die Frage der dunklen Materie und der dunklen Energie. Man kann die Gesamtmaterie und -energie unseres Universum mit einiger Genauigkeit berechnen, dummerweise ergibt sich aber ein Wert, der viel höher ist, als die bekannte Materie aller Galaxien und Energie unseres Universums – es fehlen ca. satte 70 % ! Von dieser Materie und Enrgie – man nennt sie dunkel, da man von ihr bisher nichts sehen oder messen kann – ist fast nichts bekannt. Abgedreht, nicht wahr?

Fazit

Ich gehe davon aus, dass den meisten Mitmenschen derartige Gedanken oder Ansätze unbekannt sind. Was man sich jedoch als Fazit klar machen muss, ist dass unsere Welt alles mögliche sein kann und wir mit Sicherheit weit davon entfernt sind, sie verstehen zu können. Was das für einen selbst bedeutet – ob man deshalb an paranormale Dinge, an Gott, an ein Computerspiel, in dem man Karma-Punkte sammelt, oder an die Unendlichkeit der eigenen Möglichkeiten oder sonstwas glauben möchte – muss jeder für sich entscheiden. Da wird auch weder Science Fiction noch Physik in absehbarer Zeit eine Antwort geben.

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