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Rotten Neighbor – Meinungsfreiheit oder Rufmord? Jeder kann jeden denunzieren

Die seit einiger Zeit in den USA bekannte Plattform Rotten Neighbor (rottenneighbor.com) macht sich nun auch in Deutschland breit, sprich es ist auch für unser Gebiet möglich, alles und jeden Mitmenschen im Web öffentlich zu bewerten, also positiv oder negativ zu beurteilen. Rotten Neighbor setzt dazu auf Google Maps auf, sprich ich sehe einen Ausschnitt der Landkarte, kann in diesen hineinzoomen wie ich will (bis zur bekannten „Ich-kann -fast-alles-Sehen“-Auflösung) und brauche dann nur auf das Haus meines Mitmenschen zu klicken, und schon kann ich über diesen einen positiven oder vernichtenden Kommentar ablassen, der fortan für jeden sichtbar bleiben wird . (Man muss sich allerdings zum Verfassen eines Comments  bei Rotten Neighbor anmelden, der Denunzierte sieht jedoch nur den Nickname des Denunzianten). Natürlich können andere diesen Kommentar weiter kommentieren, also ihn bestätigen oder eine andere Meinung ausdrücken. Immer nach dem Motto der Plattform „Locate, rate and share“.

Hier findet sich der Web-2.0-Geist in reinster Form: Es fließt Information, ist jemand ein A… , so wird es bald die ganze Welt wissen. Anderseits werden die Probleme ebenfalls besonders deutlich: Wie soll man sich schützen? Was, wenn man eines Tages feststellen muss, dass dort üble und falsche Gerüchte über einen selbst verbreitet werden? Es dürfte klar sein, dass ein einmal gestartetes Gerücht – selbst wenn es zu 100% erfunden ist – nur sehr schwer wieder aus der Welt zu schaffen ist.

Noch ist es in meiner Nachbarschaft ruhig auf der Plattform, sprich es gibt zwar schon diverse Einträge, aber darunter ist niemand, den ich kenne. Dafür lese ich, dass eine Straße weiter ein Stalker wohnt, der schon mehrfach Mädchen sexuell belästigt haben soll.

Denunzieren leicht gemacht mit Rotten Neighbor
Denunzieren leicht gemacht mit Rotten Neighbor

Vermutlich lassen sich derartige Entwicklungen nicht stoppen (wenngleich diverse von Datenschützern eingeleitete Verfahren bereits laufen), und natürlich steckt auch ein großes positives Potenzial in solch einer Möglichkeit. Letztlich spielt mehr und mehr der Begriff der Verantwortung eine Rolle: Welche meiner Aktionen hat welche Konsequenzen? Was unterlasse ich also, um Mitmenschen keinen gewollten  oder ungewollten potentiellen Schaden zuzufügen? Ich hoffe nur, dass es uns Eltern, unseren Schulen, unserer Gesellschaft gelingt, ein entsprechendes Verantwortungsgefühl aufzubauen.

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