ComputerSchule und Lernen

Bücher lesen gut – Computerspiele schlecht, oder?

Seit langer Zeit sind sich alle Eltern einig, dass die Computerspiele ihrer Kinder nur Zeitverschwendung sind. Viel besser wäre all diese Zeit darin investiert, etwas für die Schule zu tun oder zumindest einmal ein „richtig gutes“ Buch zu lesen (was bestimmt wiederum gut für die schulischen Leistungen wäre), stimmt’s?

Wenngleich ich selbst wirklich kein Computerspieler bin („das besser nicht auch noch…“), fand ich das folgende Gedankenexperiment höchst interessant, das vom US-Autor Steven Johnson in seinem Bestseller Everything Bad is good for you beschrieben wird. Ich selbst stieß darauf bei der Leküre des sehr  zu empfehlenden Buchs Wir nennen es Arbeit von Holm Friebe und Sascha Lobo. Johnson vertritt die These, dass viele Aspekte der heutigen Jugendkultur nicht – wie meist behauptet – geisttötend sind, sondern durchaus förderlich für Auffassungsgabe und Intelligenz. Das erwähnte Gedankenexperiment fragt, was wäre, wenn zuerst Computerspiele und erst danach der Buchdruck erfunden worden wäre. Da ja Neues meist argwöhnisch betrachtet wird, käme es laut Johnson vermutlich bald zu Äußerungen wie die folgenden:

„Bücher unterforden chronisch die Sinne. Entgegen der langen Tradition der Computerspiele – die Kinder in lebendige, dreidimensionale Welten voll von bewegten Bildern und musikalischen Eindrücken entführen, durch die sie mit komplexen Muskelbewegungen steuern – sind Bücher einfach nur eine Aneinanderreihung von Wörtern auf einer Seite. Nur ein kleiner Teil des Gehirns wird dadurch aktiviert, während Computerspiele das gesamte Spektrum sensorischer und motorischer Hirnfunktionen ansprechen. Hinzu kommt, dass Bücher auf tragische Weise einsam machen. Während Spiele junge Menschen seit geraumer Zeit dazu bringen, gemeinsam mit ihren Freunden eigene Welten zu bauen und zu erkunden, zwingen Bücher sie in die Abgeschiedenheit eines ruhigen Ortes, abgeschottet vom Rest der Welt. Diese neu entstandenen ‚Büchereien‘, die das Lesen anregen sollen, bieten ein beängstigendes Bild: Dutzende von Kindern, die normalerweise einen regen und lebhaften Austausch pflegen, versenken sich stumm und apathisch in die Lektüre …“

Computerspiele = Zeitverschwendung?

Dieses Gedankenexperiment macht uns deutlich, wie wichtig eine vorurteilsfreie Herangehensweise ist, insbesondere bei komplexen Sachverhalten, die nur schwer in ihrer Gesamtheit zu erfassen sind. Allzu schnell verfestigen sich Pauschalurteile und Halbweisheiten. Wer weiß schon, was eine Sache auf lange Sicht für Konsequenzen hat?

Die fortschreitende Digitalisierung unseres gesamten Lebens ist eine der größten Umwälzungen, mit der die Menschheit jemals konfrontiert war. Und wer weiß, was im Leben unserer Kinder in einigen Jahrzehnten entscheidend sein wird? Warum maßen wir uns also an – wir, die teilweise nichtmalsr skypen noch SMS-en können, weder auf Facebook noch Myspace zu finden sind und den Unterschied zwischen einem Blog und einer Wiki nicht kennen – unseren Kindern zu erzählen, was für sie gut und was schlecht sein wird?

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10 Gedanken zu „Bücher lesen gut – Computerspiele schlecht, oder?

  1. Hallo Ingo,
    Weihnachten kommt und somit die jedes Jahr draengenderen Wuensche meiner Tochter (9) nach digitaler Ausruestung und Computerspielen. Letztes Jahr haben wir Ihr eine kleine Videocamera geschenkt, das fanden wir einen guten Kompromiss. Aber sie will dringend dieses Sims 2 Spiel haben, wo irgendwelche selbstebastelten Leute in Selbstentworfenen Haeusern miteinander interagieren. So ganz habe ich noch nicht raus ob es mit anderen Spielern oder alleine gespielt wird.
    Ich finde das lange Zitat ueber das Lesen sehr hilfreich. Allerdings glaube ich trotzdem dass das Umsetzen von Schrift in Lebendige Bilder Sprachliche Entwicklung und Vorstellungsvermoegen mehr foerdert als diese kitschigen Computeranimationen zu manipulieren. Das Zitat gibt mir natuerlich zu denken.
    Auch besorgiserregend ist dass ich bereits mehreren Kindern begegnet bin bei denen eine wohl pathologische Sucht nach „Gaming“ mit einer handfesten Depression einherging. Einer meiner Schueler ist vor mehreren Jahren deswegen in ein Internat fuer Suchtkranke geschickt worden, und das war auch gut so.
    Ich denke es ist vielleicht genug wenn meine Kinder mit den Wii’s Ihrer Freunde spielen, und zuhause Buecher lesen.
    Alles schwierig, aber ein hilfreicher Beitrag von Dir. Danke,

    Anja

  2. Hallo Anja,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Natürlich wollte ich mit dem Artikel nicht sagen, dass man weniger lesen soll. Auch unser Sohn wälzt dicke Bücher, aber er darf auch mit dem Gameboy oder am Computer spielen. Ich beobachte aber, dass er wann immer möglich lieber raus geht als am Computer zu spielen. Wie du sagst, alles schwierig und komplex.

  3. Wir haben dieses Thema gerade im unterricht durchgenommen und dabei auch Johnsens Buch beachtet.
    Und ich bin völlig deiner Meinung.
    Deinen Artkel finde ich außerdem auch sehr ansprechend und sehr schön formuliert 🙂

  4. Mein Kommentar ist prinzipiell eine Empfehlung zum Maß und zur Mäßigung.

    Sorgende Eltern verfolgen oft mit Skepsis neue „Fremdkörper“ im Alltag und Leben der Kinder, ach – im familieren Umfeld generell.

    Computer sind nun schon lange Teil unser aller Leben, Computerspiele nur eine Komponente der digitalen Revolution.

    Wenn nun das Kind selbstverständlich Interesse an derlei Spielen hat, empfiehlt es sich für die Eltern – sorgsam die Inhalte sondierend, wie anderswo auch – das Kind an diese Dinge heranzuführen (begleiten, „mitspielen“, …). Und zwar von klein auf.

    Problematisch wird es nur, wenn Kinder viele STUNDEN (am Stück und überhaupt) mit besagtem Medium verbringen.

    Mit übermäßigem Konsum bzw. Alkohol und chemischen Drogen kann man sich das Leben schwer machen, daher wirken Eltern doch gerade darauf hin, dass ihre Kinder möglichst die Finger davon lassen (bzw. in Maßen „genießen“).

    Warum sollten wir bei Computerspielen, die nachweislich ebenfalls suchterzeugend sind, eine andere Richtschnur benutzen?

    Ein Glas Cola – Freude beim Kind.
    Jeden Tag eine Flasche Cola – Karies beim Kind. (Weniger Freude.)

    Maßvoll digital spielen – Spaß beim Kind, gar zusammen mit Papa/Mama

    Der Vergleich mit den Bücher ist insofern nicht ganz korrekt, weil Computerspiele durch ihren mehrebigen Reizappell schneller deutlich „fesselnder“ wirken als Bücher, besonders auf die Jüngeren.

    Zum total desozialisierten Lesewurm mit Lupenbrille ist noch niemand so schnell geworden wie zum WOW-Junkie.

  5. Hallo

    Ich hoffe doch sehr das Leute wie Johnson nicht auch noch für diesen Gedankenmüll bezahlt werden.
    Es entbehrt jeglicher Realität.

    Bitte überlegt doch einmal was solche Gedankenexperimente wirklich wert sind. Keinen Pfennig.
    Ansonsten mache ich mich eines Tages daran und erstelle ein Buch mit dem Titel: „Wenn der Himmel Rosa blüht.“
    Darin geht es natürlich darum wie glücklich die Menschen unter ihrem rosafarbenem Firmament sind und welche launischen Kreaturen sie wohl wären, währe der Himmel blau.
    In Ordnung, genug gelacht.

    Viele Erwachsene gehen viel zu salopp mit diesem Thema um – haben den Zug der Aufklärung selbst verpasst, während unsere Kinder und Jugend viel zu sehr darin verstrickt ist, um noch zwischen virtuell und real klar zu unterscheiden. Die meisten Erwachsenen können daher schon keine klare Einsicht erhalten und die Faktoren erkennen, welche den Zocker locken.

    Ach es ist halt modern.

    Ach, sie sind doch alle glücklich und tun keinem was.

    Aber sie stumpfen ab. Haben oft nur noch Augen für ihre virtuellen Freunde und reagieren aggressiv, wenn sie in der realen Welt einen Einkauf tätigen sollen.
    Es sind nicht alle so, jedoch viele.
    Das Suchtpotential hinter der Unwirklichkeit wollen viele nicht sehen, doch allmählich rückt es ins Licht.

    Ich selbst habe bis vor wenigen Tagen die hälfte meines gesamten Lebens – ich bin jetzt 31 – mit Videospielen aller Art vergeudet. Ja, ich bereue jede Sekunde die ich nicht mehr zurückbekommen kann.
    Ich habe erst seit vorgestern wieder klare Gedanken dazu, was sich alles mit ein paar Buntstiften und gutem Papier schaffen lässt und werde das auch wieder in Angriff nehmen, meine Kreativiät habe ich viel zu lange vernachlässigt.

    Auch ein Arbeitskollege hat erschreckende Erfahrungen mit seine Tochter hinnehmen müssen, weil er es gut meinte und ihr einen Nintendo DS schenkte. Die Kleine ist nun knapp neun Jahre alt, gilt als intelligent und erbringt beachtenswerte sportliche Leistungen – sie ist also richtig integriert in der realen Welt.
    Was also mein Kollege während nur weniger Wochen erleben musste in denen seine Tochter den DS hatte ist nur alzu alarmierend.
    Sie verschlechterte sich in ihrem Sport, ihre schulischen Leistungen gingen rapide zurück und zu Hause reagierte sie launisch und abweisend, was ohne DS nicht der Fall war.
    Die Lehrer suchten das dringende Gespräch mit den Eltern.
    Mein Kollege reagierte sofort, er kannte den einzig möglichen Faktor für diese Veränderungen.
    DS weg, Tochter wieder normal.

    Allgemein fallen Leute mit Realitätsverlust nicht mehr so stark auf wie noch vor einigen Jahren, da heute ja fast alles als normal eingestuft wird und viele Erwachsenen, welche die Chance haben alles von außen zu beobachten, sich gar nich an das Thema heranwagen.
    Ach der Bub‘ wird schon wissen was er da tut.

    Ich stelle mich schon jetzt darauf ein, im Alter von einer Mischung aus Plastik und Metall gepflegt zu werden, weil niemand mehr die Lust verspürt außerhalb der virtuellen Welten aktiv zu sein.

    Ich finde es sollte jedem Erwachsenen freistehen, seine Zeit so zu verbringen wie er möchte. Er investiert ja aus seiner eigenen Tasche [hoffentlich].
    Doch solange der Sproß am Tisch seiner Eltern speist, sollten sich die Eltern um eine realistische Erziehung bemühen und richtige Werte vermitteln, sich nicht das Geld für jeden Dreck aus der Tasche ziehen lassen, nur weil der Kumpel Lars ultramodern ist und von seinen Eltern den geilsten Rechner und die tollsten Spiele geschenkt bekommen hat.

    Es wird mit dem Thema so verfälscht umgegangen, wie mit dem Thema Drogen.

    Verzeiht, wenn ich militant erscheine. Ich habe mein Fett entgültig weg und weis die Videospielewelt aufs schärfste abzulehnen.
    Bücher zu lesen ist da eine echte Alternative und fördert die Kreativität weit mehr als diese Pixel- und Polygonwelten. Das Kopfkino wird bei einem Roman z.B. viel stärker angeregt, da ich mir die Geschehnisse, Orte und Personen im Geiste ausmalen muss – nur mal als Beispiel. Auch entspanntes hören von Musik hat eine viel anregendere Wirkung, und ich kann zu den unterschiedlichsten Situationen Musik hören.

    Egal wie sehr man den Spruch ‚Die Menge macht das Gift‘ noch herausposaunt, eines ist sicher:“Gift bleibt Gift, egal wie hoch die Dosierung ist und Schäden entstehen auf jeden Fall, entweder auf kurz oder lang.“

    MfG

  6. Ich hätte gerne zu, genau diesem Titel, einen Stand auf der Gamescom gesehen. Leider wird alles immer technischer und keiner beschäftigt sich mehr mit soch Vergleichen. Schade.

    Danke für den Post.

  7. Szia Didf3,egy ke9re9s: ha van re1 mf3d, hadd lehessen jobb klkkeil faj lapon megnyitattatni a linkeket vagy ha ez nem kivitelezhet?, akkor a link automatikusan megnyedlhatna faj ablakban?! csak mert edgy mikf6zben megne9zek egy linket/ke9pet, kf6zben elle9pek a blogodrf3l, amit esetleg me9g nem akarok?! bocsi, ha tfal bonyolult, csak gondoltam megke9rdem!!szia: Brigi

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